In einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe widmen wir uns der Aktualisierung linker Diskussionen über Ideologien, die sich derzeit dynamisch aus der Verknüpfung reaktionärer Politik und den Zukunftsvisionen der Tech-Industrie entwickeln. Kennzeichnend für diese Ideologien ist eine zugleich rückwärtsgewandte und futuristische Ausrichtung.
Wir möchten Diskussionen ermöglichen, die über ein Populärverständnis der „Big-Tech-Bros“ hinausgehen. Zu den beleuchteten Aspekten zählen die Kritik der TESCREAL-Ideologie (Transhumanismus, Extropianismus, Singularitarianismus, Kosmismus, Rationalistische Ideology, Effective Altruism und Longtermismus), antifeministische Aspekte der Techbro-Culture sowie die Aneignung autoritärer Impulse aus der Tech-Welt in der europäischen Rechten. Ziel ist es, eine neue Ideologiekritik anzustoßen, die KI und Kernideen der Tech-Industrie als Teil einer autoritären bzw. techno-faschistischen Offensive analysiert. Die drei Teile der Veranstaltungsreihe bauen thematisch aufeinander auf: Sie widmen sich erstens den historischen Wurzeln von und der wissenschaftlichen Kritik an KI, zweitens den Fortschrittserzählungen autoritärer Ideologien aus der Tech-Welt und drittens der Vision einer antikapitalistischen, technologiekritischen und solidarischen Digitalisierung.
31. August, 19 Uhr, Cineding: Ghost in the Machine
Film (Valerie Veatch, USA 2026, OV). Anschließend Gespräch mit Melina Weissenborn. ->Trailer
Die unbekannten Ursprünge der künstlichen Intelligenz liegen nicht in Maschinen, sondern in Machtverhältnissen. Über einen historischen Zugang enthüllt der Film die historischen Grundlagen von Künstlicher Intelligenz. Regisseurin Valerie Veatch legt in diesem Dokumentarfilm mit den Stimmen zahlreicher Expert*innen die philosophischen, kulturellen und politischen Kräfte frei, die den globalen KI-Boom antreiben. Ghost in the Machine nähert sich allgegenwärtigen Fragen wie „Was ist KI?“, „Wer entwickelt sie?“ und „Was wird aus den Menschen?“ an, indem der Film untersucht, wie neue Technologien im Laufe der Geschichte Identität, Kultur und globale Macht neu geprägt haben. Gleichzeitig deckt er die aktuellen Facetten der Ausbeutung von Menschen und der illiberalen Politiken auf, ohne die KI nicht funktionieren würde.
Im anschließenden Gespräch nimmt Melina Weissenborn eine Einordnung des Films aus feministischer Perspektive vor und geht auf die Ideengeschichte ein, die oft unausgesprochen unsere Vorstellungen von Künstlicher Intelligenz prägt.
Melina Weissenborn ist Künstlerin und lebt und arbeitet in Leipzig. Sie studierte Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und an der Bezalel Academy of Fine Arts Jerusalem. Aktuell forscht sie im Rahmen ihrer Promotion an der Bauhaus Universität Weimar zur Kulturgeschichte von Schöpfungsimaginationen und Verlebendigungsphantasien im Zusammenhang mit KI und Robotik. Sie arbeitet konzeptuell und installativ mit den Medien Video und Film und hat eine Vorliebe für Found Footage. Melina Weissenborn ist Mitglied im Salon Digital und Teil des Redaktionskollektivs „outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik“.
Valerie Veatch, geboren 1985, ist Filmemacherin aus den USA. Sie studierte an der New School in New York City und realisierte zuvor „Revolution in Three Acts“ (2006), „Me at the Zoo“ (2012), „Love Child“ (2014). „Ghost in the Machine“ feierte 2026 seine Premiere auf dem renommierten Sundance Film Festival.
